Vor kurzem habe ich bereits über die Anzeichen von Stress geschrieben und wie wichtig es ist, auf diese Frühwarnsignale zu achten.

Wenn der Stress aber nun einmal da ist, brauchen wir dringend Methoden, um aus der Anspannung in die Entspannung zu kommen. Mit einer normalen Dosis Stress kann der Körper gut umgehen, sonst wäre auch keine Entwicklung möglich. Für große Leistungen brauchen wir diesen Energieschub. Wenn jedoch die Energiebilanz zu Ungunsten der Entspannung kippt, hat unser Parasympathikus, also der Taktgeber für Erholung und Regeneration das Nachsehen.

Wie jemand am besten entspannen kann, ist absolut individuell. Der eine kommt besser zur Ruhe, wenn er in Bewegung ist, aktiv entspannt. Anderen tut es gut, innezuhalten und durch bestimmte Entspannungs- oder Atemübungen die Anspannung loszulassen. Wichtig bei allen Maßnahmen ist eine regelmäßige Durchführung. Gerade bei Entspannungsübungen wie Meditation dauert es eine gewisse Zeit, bis der Geist so konditioniert ist, dass man zu jeder Zeit und jeder Situation darauf zurückgreifen kann. Hier macht auch Übung den Meister.

Allem voran und absolut existenziell für einen gut funktionierenden Organismus ist Schlaf. Ohne ausreichend und vor allem guten Schlaf gibt es keine Regeneration, keine Energie für den nächsten Tag, keine Leistungsfähigkeit und vor allem keine gute Laune. Die Forschung sagt, dass wir mindestens 5 Stunden Schlaf benötigen, um gesund zu bleiben. Nachts wird im Körper aufgeräumt. Reparationsprozesse finden statt, Stoffwechselfunktionen werden überprüft und angepasst, Immun- und Nervensystem sowie Muskeln und Knochen schalten auf Wachstum und Erholung. Alte abgestorbene Zellen werden gegen neue getauscht, beschädigte Zellen entsorgt.

Neben diesen körperlichen Funktionen ist auch das Gehirn maßgeblich von gutem Schlaf abhängig. Alles, was wir über den gesamten Tag erlebt, gesehen, gefühlt und wahrgenommen haben, kommt nachts quasi nochmal auf den Tisch. Das Gehirn verarbeitet all diese Informationen und sortiert sie für sich. Auch Dinge, die wir neu erlernt haben, z.B. beim Lernen für eine Klausur oder Bewegungsabläufe beim Tanzen, werden durch immer wieder durchgespielt und so gefestigt.

Wichtig ist, auf die Signale des Körpers zu achten. Gerade in stressigen Phasen fällt das schwer, man verliert irgendwie das Gefühl für sich selbst. Vor allem dann ist es wichtig, sich die Ruhe zu gönnen und nicht gegen die „innere Uhr“ zu arbeiten. Wir sollten also dem Parasympathikus, dem Entspannungschef, die Möglichkeit geben, voll einsatzfähig zu sein. Zusammen mit dem Nachthormon Melatonin, das ausgeschüttet wird, wenn es dunkel wird (weg mit Mobiltelefon und Tablet!!), geleitet er uns ins Land der Träume. Die Muskeln entspannen sich langsam, die Körpertemperatur nimmt ab, der Herzschlag wird langsamer und der Blutdruck sinkt. Fast alle Funktionen (Ausnahme ist z.B. die Verdauung), werden gedrosselt, um in Regerationsmodus umzuschalten. Dafür benötigen wir das Wachstumshormon. Es wird vor allem während des Tiefschlafs ausgeschüttet und regt u.a. die Bildung neuer Körperzellen an.

Was passiert nun, wenn wir keine innere Ruhe haben, die Gedanken weiter kreisen, die Listen im Kopf nicht kürzer werden, unangenehme Gespräche zu endlosen Dialogen im Kopf führen und sich einfach keine Entspannung einstellen will? Dann kann der Parasympathikus seine Aufgaben nicht erledigen und sein Gegenspieler, der Sympathikus gewinnt die Überhand, zusammen mit dem Stresshormon Kortisol. Normalerweise ist der Kortisolspiegel nachts am niedrigsten, erst in den Morgenstunden steigt er, um uns für den Tag vorzubereiten. Das Ergebnis? Wir sind tagsüber gestresst und abends, wenn wir uns erholen wollen, lässt das Kortisol immer noch nicht nach. Dauerstress oder chronischer Stress können die Folge sein. Die Folgen sind bekannt: Infektanfälligkeit, Herz-Kreislaufprobleme bis hin zu Depressionen und Erschöpfungszuständen.

So kommst du gut in den Schlaf:

So langweilig es klingt, aber Rituale und Struktur tun uns gut. Und zwar auch schon am Tag, nicht nur abends. Wir kommen auch viel besser zur Ruhe, wenn wir nicht mit dem Hochgeschwindigkeitszug in den Abend rasen, sondern mit der gemütlichen Dampflok. Also nicht unter Strom stehend ins Bett, sondern vorher schon für Ruhe und Ausgeglichenheit sorgen. Das kann z.B. bedeuten, am Vorabend bereits den folgenden Tag in Gedanken durchzugehen, sich wichtige Dinge zu notieren, damit man sich nicht nachts damit herumquält. Beruhigend wirken auch Atemübungen. Tief ein und ausatmen und sich dabei vorstellen, dass der Körper immer schwerer wird und nahezu in der Matratze versinkt.

Wichtig für guten Schlaf ist die richtige Ernährung. Auf einem fetten Schweinebraten am Abend träumt´s sich schlecht. Ebenso so sollte man abends auf übermäßig Obst und rohes Gemüse bzw. Salat verzichten. Was gut und gesund gemeint ist, kann zu Gärungsprozessen im Körper führen. D.h. obwohl wir keinen Wein oder Bier getrunken haben, muss die Leber Alkohol „verarbeiten“.

Wer gern gepflegt ein Glas Wein trinken möchte, kann das durchaus mal tun, sollte es jedoch bei einem Glas belassen. Zuviel Alkohol macht zwar erstmal müde, stört dann allerdings den Ablauf der Tiefschlaf- die Traumphasen. Das Ergebnis, meist bleierne Müdigkeit, merken wir am nächsten Morgen.
Besonders zu empfehlen ist moderates Ausdauertraining. Den Puls in die Höhe zu jagen verursacht Stress, den wir nicht haben wollen. Sportarten wie Schwimmen, Walken oder Radfahren bei einer moderaten Herzfrequenz helfen, Stress abzubauen, sorgen für einen klaren Kopf und ein angenehmes Gefühl von Erschöpfung.
Auf die wichtigsten und effektivsten Entspannungsübungen gehe ich im nächsten Teil meiner „Stress“ Reihe ein.