Bist Du schon einmal in einer Buchhandlung am Regal mit dem Thema Zeitmanagement vorbeigelaufen? Bei der Fülle an Literatur scheint dies ein gut untersuchtes Fachgebiet zu sein. Dennoch drängt sich der Gedanke auf, inwiefern sich Zeit tatsächlich managen lässt. Ist das möglicherweise nur ein Mythos? Die Kernaussage im Großteil der Bücher lautet: Wir alle stehen unter Zeitdruck und müssen besser mit unserer Zeit umgehen lernen oder gar lernen, die Zeit zu managen. Der Subtext dazu wäre: Du könntest noch mehr leisten, noch effizienter arbeiten, wenn du nur deine Zeit richtig managen würdest. Aber stimmt das?

Was ist denn überhaupt Zeit? Zeit ist erst einmal nur eine physikalische Größe. Wirklich spannend macht sie erst unser subjektives Empfinden, denn je nach Situation nehmen wir sie anders wahr. Manchmal scheint sie zu rennen, dann wieder zieht sie sich nahezu schmerzhaft in die Länge. Dabei ist sie prinzipiell erst einmal fair, weil jedem Menschen gleich viel Zeit zur Verfügung steht.

Zeit hat auch einen sehr hohen ökonomischen Faktor. Viele Leistungen in der Wirtschaft sind an Zeiteinheiten gebunden. Was jedoch im wirtschaftlichen Kontext hilfreich sein kann, löst manchmal im Privaten durch ein zeitintensives Hobby wie Triathlon oder Musik ein ungutes Gefühl aus und führt somit zu Stress. Mit einem zeitintensiven Hobby bekommt man schnell ein schlechtes Gewissen, z.B. “Ich habe jetzt 3 Stunden in das Training investiert, also müsste ich auf Arbeit auch noch etwas mehr machen, um das auszugleichen.” Oder das Hobby ist nicht nur zeit- , sondern auch preisintensiv. Dies macht die Verrechnung von Zeit gegen Geld emotional schwierig und verursacht teilweise Stress.

Ein Instrument spielen bringt Zufriedenheit, aber gleichzeitig kann die Verrechnung von Zeit gegen Geld für emotionalen Stress sorgen

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Training aktuell (2/2020) plädiert Karlheinz Geißler, ehemaliger Professor für Wirtschaftspädagogik,  für eine andere Perspektive: “Zeit ist ein Lebensmittel, denn ohne Zeit leben wir nicht.“ Er spricht sich dafür aus, Zeit zu erleben, zu erfahren oder zu erspüren.  Er beschreibt eine Entwicklung hin zum “Uhrzeitmenschen”. Wenn wir von Zeit sprechen würden, meinten wir häufig die Uhrzeit. Doch Uhrzeit und Zeit sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Der Mensch verlerne, seinen Körper als sensibles Messinstrument zu nutzen. Für mich als Uhrenliebhaber und überpünklicher Mensch harter Tobak, aber grundsätzlich kann ich ihm nur beipflichten. „Wer zeitzufrieden ist, denkt über Zeit nicht nach.“ Das passiert mir bei Dingen, in denen ich mich verlieren kann z.B. beim Puzzeln.

Warum spielt Zeit so eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit? In der heutigen Gesellschaft sind Zeitdruck und Zeitstress geradezu ein Statussymbol. Es suggeriert, dass der allzeit Gestresste wichtig ist, bedeutsame Arbeit ausführt und wahrscheinlich auch auf der Karriereleiter die oberen Sprossen besetzt. Zeitnot zu haben ist “in”. Aber ist es gesund?

Zeit ist fair und für alle gleich. Der Tag schenkt uns immer wieder aufs Neue 24 Stunden. Was uns allerdings stresst, ist die subjektive Bewertung der Zeit. Zudem ist die Zeitwahrnehmung für jede Person, Situation und auch Stimmung unterschiedlich. Was im Allgemeinen sehr gut funktioniert, ist der selbstbestimmte Umgang mit der Zeit, dies gibt Sicherheit und nimmt uns das Gefühl nur im Takt der Uhrzeit zu agieren.

Oft wird beim Thema Zeitmanagement auch davon gesprochen, dass es das Ziel hat, effizienter zu sein. Mit einer anderen Perspektive ist es aus meiner Sicht eher ein positiver Nebeneffekt, denn effizienter bedeutet nicht immer gleich auch die gewünschte Qualität im Ergebnis. Diese lässt sich eher durch mehr Konzentration, bessere Priorisierung, achtsame Haltung und Pausenzeiten erreichen.

Zeitdruck und Zeitstress sind mittlerweile geradezu ein Statussymbol – aber ist das auch gesund?

Tipps für den Alltag

Als Experte für Stresskompetenz gebe ich in diesem Zusammenhang gern die Impulse von Flowlife mit auf den Weg, die dabei helfen können, bewusster mit deiner Zeit umzugehen und aufkommenden Stress besser zu regulieren.

  1. Zeitmanagement ist Selbstmanagement – wir können nicht die Zeit managen, sondern nur uns selbst. Es gibt Tools, die dabei helfen, unsere Arbeitsorganisation, das digitale Konsumverhalten oder die Planung unserer täglichen Aufgaben entsprechend unserer Persönlichkeit zu gestalten, so dass wir die Zeit nicht mehr im Nacken spüren und als stressig empfinden. Eine Möglichkeit ist, To-Do-Listen zu erstellen und diese abzuarbeiten. Mit jedem Häkchen steigt das Gefühl, etwas erledigt zu haben. Gleichzeitig sollte man auch das eigene Befinden reflektieren, den eigenen Zustand im Auge behalten. Seine Werte und Prioritäten zu kennen und offen zu kommunizieren, beugt Missverständnisse vor und verhindert, dass man sich in der Komplexität des Alltags verrennt.
  2. Achtsamkeit – Produktivität schafft Lebensqualität. Mit der Zeit (haha, Wortspiel..) bekommen wir ein Bewusstsein dafür was uns wichtig ist, welche Werte und Prioritäten wir vertreten und welchen Rhythmus es braucht. Es hilft auch, die eigenen Ablenkungstrategien zu kennen.
  3. Klarheit für dich selbst – hier muss die Methode individuell angepasst werden. Klarheit für die aktuellen Themen, die dich umtreiben und möglicherweise blockieren.

Letztendlich greifen alle Dinge ineinander. Die Zeit bzw. der empfundene Zeitdruck ist aktuell eines der präsentesten Faktoren für das Aufkommen von Stress. Dabei ist es einfacher gesagt als getan, sich von der (Uhr-)Zeit zu lösen. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir unseren Stress nutzen sollten und wo es notwendig wird, die Kompetenz zu entwickeln, einen besseren Umgang zu erlernen. Dafür braucht es in bestimmten Situationen einen Begleiter, der hilft, diese Kompetenzen zu erwerben. Ich bin gern dein Begleiter!