Letzte Woche konntet ihr hier den ersten Teil zum Thema „Was macht den Unterschied – Erfolg im Personal Training“ aus der Sicht einer Klientin lesen. Im zweiten Teil gibt der Personal Trainer nun selbst einen Einblick in seine Arbeit. Sehr spannend, wie komplex und ganzheitlich Personal Training sein kann. Los geht´s!

Was spricht deiner Ansicht nach für die Arbeit mit einem Personal Trainer?

Ich habe selbst einen eigenen Trainer. Um ehrlich zu sein, habe ich sogar mehrere Trainer. Grund dafür ist, dass ich entweder etwas Bestimmtes lernen, mir bestimmte Fähigkeiten aneignen wollte oder Herausforderungen suchte, denen ich allein nicht gewachsen war. Deshalb ging ich auf die Suche nach einem Experten auf seinem Gebiet, bei dem ich das Gefühl hatte, dass ich gut aufgehoben bin und meine Ziele bzw. Wünsche gemeinsam angegangen werden können.

Da ich seit vielen Jahren nicht nur selbst als PT arbeite, sondern auch Klient bin, kann ich beide Seiten gut beurteilen. Mir ist es sehr wichtig, dass mein Trainer es schafft, mir einen Perspektivwechsel zu ermöglichen und neue Erfahrungen zu machen. Erfahrungen, die mir helfen, mich selbst weiterzuentwickeln, eine Technik zu verbessern oder Klarheit über die nächsten Schritte zu bekommen. Ein typischer Satz, den mein Business Coach regelmäßig hört, wenn er mich fragt was mir heute wichtig ist: „Ich hätte gern einen Ausblick“.

Jeder braucht eine andere Art der Betreuung, da die Ziele und Wünsche immer unterschiedlich sind. Doch genau das ist es, was für die Arbeit mit einem PT spricht. Ein PT ist Experte auf seinem Gebiet und schafft es, gemeinsam mit seinem Klienten einen Weg zu erarbeiten, der alleine nicht möglich wäre.

Wer kommt zu dir?

Zu mir kommen Menschen, die auf ihrem Weg zur Veränderung einen Begleiter suchen. Eine Veränderung hin zu mehr Lebensfreude, Vitalität und ein „Zurück“ zu mehr Leichtigkeit in ihrem Alltag. Dabei sind die initialen Beweggründe mich zu kontaktieren sehr unterschiedlich. Doch haben sie alle eines gemeinsam:

Häufig haben meine Klienten schon einiges ausprobiert, um ihre Ziele zu erreichen. Leider ohne nachhaltigen Erfolg. Nicht selten möchten sich meine Klienten zu Beginn mehr bewegen, mehr Sport machen oder haben ein akutes gesundheitliches Thema. Doch bereits im Kennenlerngespräch wird klar, dass es weit mehr als das ist.

Was können Klienten von dir und deiner Arbeit erwarten und was erwartest du im Gegenzug von deinen (zukünftigen) Klienten?

Das ist eine spannende Frage. Sogar sehr spannend. Schon beim Kennenlernen muss ich einige meiner potentiellen neuen Klienten enttäuschen. Sie wollen von mir wissen, wie sie gesünder und fitter werden oder was sie bei bestimmten Beschwerden machen können. Meine Reaktion ist immer dieselbe. Ich habe keine Ahnung wie es geht. Da schaue ich dann schon mal in erstaunte Gesichter, da sie mich ja extra als Experten aufgesucht haben. Doch es ist die Wahrheit – ich habe keine Ahnung wie es geht. Allerdings erkläre ich dann meine Unfähigkeit: Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Erfahrungen gemacht, mir Wissen angeeignet und viele Erfolge damit bewirkt. Das heißt aber keineswegs, dass es bei jedem gleich gut funktioniert. Ich kann nur Angebote machen, bei denen ich erfahrungsgemäß eine gute Resonanz bekomme. Sollte es nicht funktionieren, dann gehen wir einen anderen Weg bis wir für meinen jeweiligen Klienten einen stimmigen Weg gefunden haben. Das ist auch gleich die Überleitung zu dem, was ich von meinen Klienten erwarte: Ich wünsche mir eine große Portion Neugier und die wahrhaftige Bereitschaft für Veränderung. Wenn das mitgebracht wird, dann haben sie einen neuen Begleiter für sehr lange Zeit an ihrer Seite. Natürlich kann ich die Verantwortung für den Erfolg nicht übernehmen, aber den Prozess habe ich mit all meinen Kompetenzen und optimistischen Lächeln im Blick.

Was gehört zu einer guten und aussagekräftigen Ausgangsdiagnostik?

Das ist für jeden meiner Kollegen mit Sicherheit unterschiedlich. Da sich die Konzepte im Personal Training sehr unterscheiden, sollte die Diagnostik auf die Art zu arbeiten abgestimmt sein. Ich gehe mit meinem Konzept eine sehr umfassende Arbeit mit den Menschen an und nehme mir mindestens vier Stunden Zeit für die Diagnostik. So kann ich meinen neuen Klienten von Beginn an abholen und seinen derzeitigen Status quo herausfinden. Daher kann ich dir zumindest sagen, was mir in einer Ausgangsdiagnostik wichtig ist bzw. was ich für einen guten Start in eine wirklich umfassende Betreuung alles mache.

Ich verstehe mich als einen Begleiter auf längere Zeit und möchte daher mein Gegenüber kennenlernen. Ich verschaffe mir gern einen Überblick über den aktuellen Tagesablauf, welche Hobbies meine Klienten gern machen oder schon immer mal ausprobieren wollten, welche Musik sie gern hören oder ob sie eine Lieblingsfarbe haben. Im weiteren Verlauf gehe ich auch auf Vorerkrankungen, akute oder chronische Beschwerden ein oder mache mir ein Bild vom aktuellen Schlafverhalten.

Im nächsten Schritt tauche ich bewusst mit meinen „jungen Wilden“ in das Thema Stress ein. Mir ist bewusst, dass ich den Stress nicht messen kann, aber ich kann die Auswirkungen von Stress im System erkennen. Mit dieser HRV Diagnostik (Herzfrequenzvariabilität) kann ich gut aufzeigen, was die Belastungen des alltäglichen Lebens im System des Klienten für Auswirkungen haben.

Dann lege ich den Fokus auf die körperliche Voraussetzung für Bewegung. Mit einer Muskelfunktionsdiagnostik gehe ich auf die einzelnen Gelenke, Haltung und eventuelle Ausweichbewegungen ein. Später mache ich mir auch ein Bild des derzeitigen Status aus Sicht der Kinesiologie. Hierbei nutze ich den kinesiologischen Muskeltest, um Feedback zur derzeitigen Balance zu bekommen. Wie einer meiner Mentoren, Alexander von Hausen, immer so treffend sagt: „Nur ein normotoner Muskel, ist ein guter Muskel!“ – übersetzen würde ich es dahingehend, dass der Muskel gut reguliert ist. Nicht zu viel und nicht zu wenig Spannung.

Und dann kommen wir auch schon langsam zum krönenden Finale meiner derzeitigen Diagnostik. Wir definieren bewusst Ziele für die Zusammenarbeit. Mein Ziel ist es dabei, eine sehr hohe Transparenz in der Zielklärung zu ermöglichen. Beispielsweise definieren wir nicht nur ein Zielgewicht, sondern wir verankern es auf mehreren Ebenen. Wie fühlt es sich an, wenn das Ziel erreicht ist? Was verändert sich, wenn das Wunschgewicht erreicht ist?

Du bist oft gleichzeitig Trainer, Psychologe und Ernährungsberater für deine Klienten. Wie wichtig ist dieser ganzheitliche Gedanke bei deiner Arbeit?

Natürlich sehr wichtig. Ich betrachte meine Art zu arbeiten als einen sehr großen Vorteil, da ich es möglich machen kann, die Ebene zu wechseln. Wir alle kennen diese Phasen, in denen wir ein Thema gedanklich von hinten bis vorn durcharbeiten und eine Lösung ist trotzdem in weiter Ferne. Alleine kommen wir oftmals nicht aus solchen Schleifen raus. Dabei mache ich meinen Klienten oft Angebote für einen Perspektivwechsel. Wenn wir aus einem anderen Blickwinkel auf ein Problem schauen, dann sehen wir vielleicht eine Lösung für das Problem oder noch besser: Das Problem ist nur noch eine Herausforderung, die es mit den eigenen Fähigkeiten oder Talenten zu bewältigen gilt. Dafür kann ich dann in die jeweilige Rolle schlüpfen und somit meine Klienten auf ihrem Weg zur Veränderung innerhalb meines Rahmens sehr gut unterstützen. Somit bin ich manchmal Trainer, dann Coach oder auch mal der Freund mit einem offenen Ohr.

Wichtig ist mir dabei allerdings, dass ich meine Funktion und Rolle in diesem Moment selbstständig und bewusst einnehmen kann.

Was sind die besonderen Momente bei deiner Arbeit?

Besondere Momente in meiner Arbeit darf ich glücklicher Weise oft erleben. Dabei ist ein Lächeln einer Klientin nach dem Training, die vorher sehr bedrückt war, genauso besonders wie das gemeinsame Erreichen eines Gipfelkreuzes mit einem Klienten nach schwerer Krankheit. Das wunderbare an meinem Tag ist, dass ich sofort und unmittelbar ein Feedback bekomme. Wenn ich das Befinden des Klienten gut erfasst habe und das Training für ihn dadurch effektiv war und sich gut angefühlt hat, dann bekomme ich ein Lächeln, Dankbarkeit und das Vertrauen in die Zusammenarbeit. Wenn etwas einmal nicht optimal läuft oder nicht den Vorstellungen meines Gegenübers entspricht, bekomme ich ebenfalls sofort ein Feedback. Dann habe ich die Möglichkeit mich weiterzuentwickeln und meine Art des Personal Trainings zu verbessern.

Wenn ich nun auf die vergangenen Jahre zurückblicke, habe ich viele wunderbare und auch sehr prägende Momente in meiner Arbeit erleben dürfen. Gerade kam mir allerdings der Gedanke, dass der wunderbarste Moment heute für mich ist, das Glück zu haben, immer mit meinen Klienten wachsen zu dürfen. Nicht nur ich kann die Potentiale meiner Klienten fordern und fördern, sondern meine Klienten machen das auch mit mir. Das ist ein toller Gedanke! Danke für diese Frage. Das ist ein wunderbares Beispiel für einen Perspektivwechsel. Jemand anderes stellt eine Frage und man, in dem Falle ich, bekommt eine schöne Erkenntnis.

Es gibt kein Patentrezept, keine Abkürzung oder Schleichweg zum Wohlfühlkörper. Hast du trotzdem ein paar Tipps, die einem den Weg dahin etwas leichter machen?

Wenn es ein Patentrezept geben würde: Genial! Her damit! Obwohl, dann muss ich mir eine neue Berufung suchen. (*lach*)

Ein Klient von mir hat ganz am Anfang unserer Zusammenarbeit einen Satz zu mir gesagt, der mir bis heute immer wieder im Kopf ist: „Wenn es einfach nicht geht, geht’s einfach nicht.“ Dabei heißt es nicht, dass es einfach ist, den Wohlfühlkörper zu erreichen, sondern, dass es nicht schwer sein sollte. Finde heraus was du gern machst, welche Talente du hast oder wer dich auf dem Weg zum Wohlfühlkörper begleiten kann. Es muss nicht immer der Personal Trainer sein. Manchmal ist ein Freund oder eine Freundin mit ähnlichen Zielen, eine gute Motivation oder ein Hund, der täglich seine Stunde an der frischen Luft braucht. Es gibt viele Möglichkeiten, den Weg leichter werden zu lassen und der wichtigste Tipp, den ich für einen Weg mit mehr Leichtigkeit geben kann, ist Klarheit: Reflektiere einmal, was dich am meisten motiviert und dir hilft, klare Ziele zu definieren. Je genauer du Ziele definieren kannst, desto besser kommst du auch durch die schwierigeren Phasen auf deinem Weg. Und wenn es eine Sackgasse ist, dann such dir einen Mentor / Begleiter, der dir hilft, wieder auf den Weg zu kommen.

Letzte Frage: Wie hältst du dich selbst gesund und fit?

Ich habe seit meinem 12. Lebensjahr aktiv Volleyball gespielt und vor ein paar Jahren den Ball beiseitegelegt. Meine zweite Leidenschaft, das Radeln, ist immer noch sehr präsent. Ob nun hier in der Leipziger Tieflandsbucht oder in den Alpen, das macht alles Spaß. Wenn ich mal nicht mit dem Rad unterwegs bin, spiele ich sehr gern Tennis oder gehe Bouldern. In meiner täglichen Bewegung ist es ein buntes Potpourri an Bewegungen. Mal intensives Krafttraining und dann wieder eine Runde Yoga – ich bin viel zu neugierig, um nur bei einer Sache zu bleiben.  

 

 

 

Mit Einfühlungsvermögen, Kompetenz und Leidenschaft begleite ich seit über 10 Jahren Menschen auf Ihrem Weg der Veränderung zu mehr Lebensqualität und Vitalität. Als Mitglied im Premium Personal Trainer Club® verbinde ich in meinem ganzheitlichen Konzept neben der körperlichen Ebene auch die geistige und emotionale Ebene.

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