Der Satz “Viele Wege führen nach Rom” passt in unserer Branche besonders gut. Man könnte 10 Personal Trainer fragen und würde 10 ganz unterschiedliche Biographien kennenlernen. Meinen Weg habe ich kürzlich hier aufgeschrieben. Ich selbst finde es sehr spannend, welche Pfade meine Kollegen und Kolleginnen gegangen sind. Einen wirklich interessanten Zugang zum Werdegang Personal Trainer hat mein Freund, Kollege, Mentor und Taktgeber Alexander von Hausen, den ich dazu befragt habe.

1. Wie bist du auf die Idee gekommen, Personal Trainer zu werden? Wie bist du dieses Ziel angegangen?

Durch die sportliche Leidenschaft meiner Jugend: Karate und Ausdauersportarten. Ich war in meiner Jugend ein Bewegungsjunkie. Angeregt durch diverse Kampfsportfilme der 80er/90er Jahre brannte mein Herz für die asiatischen Kampfkünste. Ich spürte in mir eine unbeschreibliche Anziehung. Über viele Jahre waren 1-3 Einheiten pro Tag mein Trainingspensum, das ich dahingehend mit Leichtigkeit abspulte. Die Vielfalt des Triathlons und Marathontrainings gaben mir die nötige Grundlagenausdauer, um nationale und internationale Karatewettkämpfe zu bestreiten und gleichzeitig ins National Team des militärischen Fünfkampf delegiert zu werden. 2002 und 2003 durfte ich Deutschland auf den Weltmeisterschaften in Harskamp/Niederlande und Draguignan/Frankreich vertreten. Gleichzeitig spielte ich über viele Jahre Basketball und Tischtennis im Verein. Heute schmunzele ich rückblickend aber wohlwollend über diese wichtigen Basisjahre, in denen es um Ausdruck im Außen ging. Disziplin, Lust auf vielfältige Sportarten und tiefes Durchdringen von Leistungsfähigkeit meines Körpers durfte ich in dieser Zeit lernen.

Dies ist auch mein erster Aufruf für alle werdenden Personal Trainer. Findet eine Sportart, die euch mit unstillbarem Hunger danach verbindet, die euch glücklich macht und eine Reise zu euch aufzeigt. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten, je nachdem wofür euer Herz schlägt. Entweder ihr interessiert euch für die Vielfalt unterschiedlicher Bewegungsarten oder ihr findet die Vielfalt in einer Sportart. Findet und entfacht euer inneres Feuer.

Nun lag es für mich nahe, nach der Bundeswehr meine Leidenschaft zum Beruf zu machen und Sportwissenschaften in Leipzig zu studieren. Auch wenn ich rückblickend nur bedingt Teile des Studiums in meiner heutigen Arbeit verwende, ist diese Basisausbildung von unschätzbarem Wert, da es mir frühzeitig die verschiedensten Perspektiven des Denkens zu Gesundheit und Sport eröffnet hat.

Mein ganzheitlicher Ansatz wurde maßgeblich vom Vater meiner ersten Freundin geprägt, dem Sportwissenschaftler und Qi Gong Meister Ralf Helm, der das Pilotenzentrum der Bundeswehr in Masserberg/Thüringen geleitet hat. Ralf hat damals schon Sporttherapie, Qi Gong, Meditation und die Vielfalt sportlicher Bewegungsformen in der Natur kombiniert. Er hat mich frühzeitig (mit 18 Jahren) in Verbindung mit  Qi Gong, Meditation und einem ganzheitlicher Denken in Berührung gebracht. Bis heute treffen wir uns und tauchen in die Vielfalt der inneren Arbeit ein. Ein Ansatz, der mich bis heutet leitet, ein roter Faden, der sich seit dem durch meine Sicht- und Arbeitsweise zieht. Damit möchte ich euch einladen: Sucht euch Mentoren, gleicht deren Erfahrungen mit eurer Sichtweise ab.

So lag es nahe, eine Berufung zu finden, in der ich mich mit der Vielfalt meiner Interessen ausleben und finden konnte. 1999 reifte in mir der Gedanke, mich als Personal Trainer selbstständig zu machen, weil mich ein unterbewusstes Bauchgefühl förmlich anzog. Da es zu dieser Zeit kaum etwas über Personal Training gab, außer von einem David Kirsch, Jennifer Wade , Matt Roberts  & Co gelesen zu haben, stand somit die Tür offen, mich frei zu entfalten. Dieser Weg hatte lange vorher begonnen und ich begreife ihn als Berufung, mich in meiner Vielfalt als Mensch auszudrücken.

Meinen ersten Klienten bekam ich im Jahr 2000, als ich neben dem Studium noch im KIESER TRAINING arbeitete. Für meine PT Homepage wollte ich Bilder machen und fragte ein Mitglied des Studios, ob er sich mit mir ablichten lassen wolle. Ich erzählte ihm von meinen Vorhaben und er sagte mir, dass er sich gerne danach mit mir darüber unterhalten wollte. So bekam ich meinen ersten Klienten, den ich auf einen Marathon vorbereitete und auf einer Golfreise ans Mittelmeer begleitete.

2. Eignet sich jeder für die Ausbildung als PT oder sollte man bestimmte Eigenschaften mitbringen?

In den Jahren der Selbstfindung als Personal Trainer durchläuft man immer wieder Zyklen des Auf und Ab’s. Wer kein Vertrauen in den Prozess des Lebens hat, eventuell unbegründete Existenzängste mit in die Wiege gelegt bekommen hat, sich Dinge nicht alleine erarbeiten kann, dem empfehle ich Personal Training nicht.

3. Auf welchem Weg kann man sich deiner Meinung nach am besten zum PT ausbilden lassen? Von  welchen Ausbildungsangeboten sollte man lieber die Finger lassen?

Ich empfehle als Personal Trainer eine fundierte Ausbildung als Basis zu belegen: Sportstudium oder Physiotherapie. Von dort aus beginnend, sucht man sich die Werkzeug, die zu einem selbst und dem Klientel passt. Ich bin kein Fan von online Ausbildungen.

4. Du hast zahlreiche Ausbildungen hinter dir. Was war dir bei der Wahl deiner Ausbildungen wichtig?

Bei der Auswahl meiner Aus- und Weiterbildungen war es mir wichtig, diese fach- und kulturübergreifend in der ganzen Welt zu suchen. Wenn es z.B. darum ging Akupunktur und Qi Gong zu verstehen, dann wollte ich dies in China erlernen. Ich wollte die Menschen dort kennen lernen, mit ihnen gemeinsam essen und ihr Wesen zu erfahren.

Weiterhin ist es mir wichtig, einen Teil in die Persönlichkeitsausbildung zu stecken. Immer wieder fällt mir auf, wie unreflektiert ich anfangs war oder viele Trainer und Therapeuten es nach langen Arbeitsjahren noch sind. Besonders wichtig empfinde ich die Fähigkeit eines PT’s, zwischen den Zeilen lesen zu können und Frieden im Inneren zu haben. Dies bedingt eine emotionale Aufarbeitung des Elternhauses und der eigenen Trigger in der Kommunikation mit anderen Menschen. Diese Softskills sind von unschätzbarem Wert.

Im fachlichen Bereich unterteile ich meine Schwerpunkte nach der Triade der Gesundheit: STRUKTUR, BIOCHEMIE & PSYCHE. Dahingehend liegt ein Schwerpunkt auf Bewegung und struktureller Therapie wie z.B. Applied Kinesilogie, Traditionelle Chinesische Medizin, Osteopathie, Chiropraktik etc. Innerhalb der Bewegung liegt meine Vertiefung vor allem im Qi Gong. Die Sichtweisen aus den verschieden Bewegungs- und Therapieformen führen über die Jahre zu einer Art Röntgenblick in den Körper und lassen so das Thema des Klienten immer besser erkennen, verstehen und in den Prozess bringen. Schaut über den Tellerrand!

Hinsichtlich der Ernährung begleiten mich über die Jahre diverse Konzepte, die ich zuerst für mich getestet habe: paleo, vegan, vegetarisch, Fasten etc.  Dazu kommen Ausbildungen und Vertiefungen in der therapeutischen Unterstützung durch orthomolekulare Aspekte und die Sichtweise der 5 Elemente Ernährung. Meine Empfehlung: testet mehrere Wochen für euch selbst das jeweilige Konzept, leitet daraus eure Schlussfolgerungen für euer Ernährungsverständnis ab.

Da wir in unserer Arbeit als PT nicht nicht kommunizieren können, liegt darin ein Schlüssel für ein erfolgreiches und langfristiges Gesundheitscoaching. Aus meiner Sicht ist eine wichtige Basis in der Aufarbeitung der verschiedenen Konfliktthemen im Elternhaus zu sehen. Da uns das Leben des Öfteren Spiegel und Projektionsfläche darbietet, werden unaufgearbeitete Themen schnell zu immer wieder auftauchenden Themen im Außen mit Fremden, Freunden, Kollegen und Klienten. Werden wir dadurch ständig getriggert, kostet dies Kraft, Energie und macht eine erfolgreiche Zusammenarbeit anstrengend. Dahingehend arbeite ich seit ca. 15 Jahren eng mit dem Psychologen Gregor Spengler aus Leipzig zusammen, der mich und meine Klientenarbeit reflektiert und begleitet. Weiterhin durfte ich verschiedenste persönlichkeitsbildende Prozesse unterschiedlichster Kulturen durchleben und Ausbildungen in den verschiedensten mental regulativen Bereichen erfahren: Psychoanalyse, Emotionale Balance, Rückführung, schamanische Arbeit. usw. Personal Training ist auch eine Reise zu sich selbst.

Eines meiner wichtigsten Basiswerkezeuge ist die Meditation. Über die Jahre habe ich es bei meinen Klienten eingeführt gemeinsam zu meditieren. Hierbei meine ich nicht geführte Körperreisen, sondern den reflektierenden Umgang mit dem Ego-Geist bzw. dem ungefiltert um Ablenkung und Aufmerksamkeit umherhüpfenden Gedanken. Hierbei verwende ich die Ansätze aus der Transzendentalen Meditation und dem Vipassana und dem großen und kleinen Kreislauf der chinesischen Medizin. Seit vielen Jahren leiste ich mir den Luxus, selbst einen Personal Trainer zu haben, der mit mir 1-2x Woche Wing Tsun trainiert. Auch die Reflexion mit Kollegen empfinde ich extrem lohnenswert.

Mein Aufruf: Sucht euch die zu euch passenden Perspektiven aus Sicht der Kommunikation, Reflexion und Persönlichkeitsbildung und schafft Frieden im Innen. Arbeitet Euer Elternhaus auf. Meditiert täglich. Lasst Eure Arbeit reflektieren.

Was ist deine persönliche Herausforderung?

Meine eigenen Routinen zu wahren. Täglich zu meditieren. Ich-Zeit im Wald zu haben. Mir Pausen zwischen den Klienten zu gönnen. Ruhig zu essen. Alle fünfe gerade zu sein lassen. Meine Freunde nicht zu vergessen. Das innere Feuer nicht ausgehen zu lassen. Und wenn sich etwas in meiner Arbeit nicht stimmig anfühlt, das Passende verändern. An meiner Arbeit gefällt mir besonders, dass ich mich freibestimmt entwickeln und verändern kann und die Dankbarkeit & Resonanz meiner Klienten.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten, ich bin sicher, dass viele Leser deinen Werdegang sehr inspirierend finden werden.